Einladung zur Tagung in 2005
An die Kriminologie als eine empirische Wissenschaft werden seitens
der Gesellschaft und Politik vielfältige Fragen gestellt. Zum Beispiel:
Soll gegen junge Straftäter härter vorgegangen werden? Wie kann
der Kriminalität frühzeitig vorgebeugt werden? Ist die Behandlung
von Sexualstraftätern wirksam? Wie zuverlässig kann man die Rückfallgefahr
von Gewalttätern vorhersagen? Was wirkt gegen die Gewalt an Schulen? Wie ist
die Aufklärung von gefährlichen Seriendelikten zu optimieren? Welche
Folgen haben Internationalisierung und Migration im Bereich der
Kriminalität? Kann die Forschung Hinweise für die Bekämpfung des
Terrorismus liefern?
In der Kooperation von Politik und Wissenschaft sollen auf solche
Fragen empirisch fundierte Antworten gegeben werden. Beispiele hierfür
sind der Bericht der Anti-Gewaltkommission oder der Erste Periodische
Sicherheitsbericht. Die Kriminologie hat dazu wesentliche Beiträge
geliefert. Dabei hat sich aber auch gezeigt, dass es in vielen Bereichen
an langfristigen und methodisch gut kontrollierten Studien mangelt.
Dies begünstigt den Einfluss bloßer Meinungen und erschwert eine
rationale Kriminalpolitik. Manche Problemlagen sind auch so komplex,
dass keine unmittelbaren empirischen Antworten möglich sind.
Vor diesem Hintergrund soll die Nürnberger Arbeitstagung der NKG wissenschaftlich fundierte
Grundlagen für die Kriminalpolitik verdeutlichen und fördern. Dies geschieht einerseits dadurch,
dass Forschungsergebnisse zu aktuellen kriminologischen Problemen dargestellt werden.
Andererseits werden die jeweiligen methodischen Ansätze evaluiert, kriminalpolitisch kontroverse
Fragen diskutiert und Perspektiven für das Qualitätsmanagement in der Praxis aufgezeigt. Dabei
wird vor allem auf zwei Bereiche Bezug genommen, in denen in letzter Zeit deutliche Fortschritte
der empirischen Kriminologie bestehen. Zum einen ist durch prospektive Längsschnittstudien das Wissen
über die Entstehung, Verfestigung und Beendigung kriminellen Verhaltens in der menschlichen Entwicklung
wesentlich verbessert worden. Zum andern hat die experimentelle und quasi-experimentelle Evaluationsforschung
unter dem Stichwort "What works" Antworten darauf gegeben, was in der Prävention und Kontrolle von
Kriminalität wirksam, erfolgversprechend, unwirksam oder manchmal sogar kontraindiziert ist.
Wir danken allen Kolleginnen und Kollegen, die durch ihre Beiträge die Zusammenstellung eines
interessanten Programms ermöglicht haben. Neben dem wissenschaftlichen Programm
findet ein soziales Rahmenprogramm
statt, zu dem ein geselliger Abend und ein Besuch des historischen
Gerichtssaals der Nürberger Prozesse gehören werden. Mit ein wenig
Lokalpatriotismus sei zusätzlich darauf verwiesen, dass Nürnberg
auch touristisch attraktiv ist und sich ein Besuch übers Wochenende
lohnt. Von den Innenstadthotels sind nicht nur das Tagungsgebäude,
sondern die meisten Sehenswürdigkeiten und Museen zu Fuß leicht
erreichbar. Gaststätten, Restaurants und Bratwurstküchen in unmittelbarer
Umgebung des Tagungsgebäudes bieten Gelegenheit zu gutem fränkischen
Essen und Trinken und die Möglichkeit für kollegiale Gespräche
außerhalb der Tagung.
Nähere Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie
unter den entsprechenden Links. Für weitere Auskünfte stehen Ihnen
meine Mitarbeiter, das Sekretariat und ich gerne zur Verfügung.
Wir freuen uns auf Ihr Kommen!
Friedrich Lösel
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